Donnerstag, 30. April 2009

Selbstbedienung in der Kulturszene

Die Recklinghäuser Zeitung berichtet am 30.04.2009 über unberechtigte Zusatzhonorare des städtischen Museumsleiters und seines Stellvertreters.
Seinen Kommentar zum Thema überschreibt Hermann Böckmann "Tollhaus Rathaus" und dürfte damit ziemlich nah dran sein.
In den Jahren 1999 bis 2007 sollen sich Prof. Dr. Ullrich und Dr. Schwalm für die Organisation der Kunstausstellung in der Kunsthalle Honorare von den Ruhrfestspielen haben zahlen lassen. Insgesamt geht es bei Ullrich um 54.800 € und bei Schwalm um 27.650 €. Sie sollen Honorarvereinbarungen mit den Ruhrfestspielen getroffen haben, obwohl ihnen das von ihrem Arbeitgeber, der Stadt Recklinghausen, ausdrücklich untersagt worden sei.
Verwaltungsdirektor Casselmann habe bereits 1998 klargestellt, dass der Honoraranspruch allenfalls bei der Stadt selbst dafür bestehen könnte, dass sie die gutbezahlten Kunstmanager teilweise von ihren städtischen Aufgaben freigestellt hat.
Obwohl die Ruhrfestspiele frühzeitig von dem Verbot der Vertragsabschlüsse unterrichtet waren, kam es zu weiteren Honorarvereinbarungen und -zahlungen. Bedenkt man den enormen Zuschußbedarf der Ruhrfestspiele, sollte man eigentlich mehr als verärgert sein.
Warum wird diese Praxis jetzt öffentlich?
Man reibt sich erstaunt die Augen und fragt sich, wie kann soetwas neun Jahre lang laufen? Welcher Aufsicht unterliegen städtische Führungskräfte?
Wir erinnern uns. Eine Stadtplanerin konnte sich selbst eine nicht genehmigungsfähige Garage errichten und kippte damit erst auf, als sie ihrer Nachbarin das Leben ein bischen schwer machen wollte.
Leitende Mitarbeiter der Stadtverwaltung konnten über Jahre Überstundentürme aufbauen, die ihnen dann mit hohen fünfstelligen Beträgen vergütet wurden.
Das Rathaus in Recklinghausen scheint soetwas wie ein Paradies für Führungskräfte zu sein. Die Eingruppierung des Ersten Beigeordneten paßt eigentlich auch in diese Aufzählung.
Wirklich erstaunlich ist eigentlich nur, warum Ullrich und Schwalm im Wahljahr ins Visier der Rechnungsprüfer geraten.

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